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Medikamenteneinnahme bei Dysphagie

  • Autorenbild: Nora Eiermann
    Nora Eiermann
  • 23. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit



Tabletten schlucken mit Schluckstörung - wie geht das sicher?


Tipps für Betroffene (und Angehörige)


Die Einnahme von Medikamenten, besonders von größeren Tabletten, kann auch für gesunde Menschen zur Herausforderung werden. Wenn allerdings eine Schluckstörung (Dysphagie) vorliegt, verschärft sich das Problem oft zusätzlich.

Viele Menschen entwickeln individuelle Strategien, um Tabletten trotzdem einnehmen zu können. Manche werfen den Kopf beim Schlucken ruckartig nach hinten, andere spülen Tabletten mit viel Flüssigkeit hinunter oder zerkleinern sie und mischen sie unter Speisen.

Doch nicht alle diese Methoden sind sicher – weder im Hinblick auf die Schlucksicherheit noch auf die korrekte Dosierung und Wirksamkeit der Medikamente.

Die folgenden Hinweise richten sich an Patient*innen und Angehörige und sollen helfen, Medikamente trotz Schluckstörung sicher und wirksam einzunehmen:


 

Wichtige Schritte vor der Tablettengabe

 

Medikamentenplan überprüfen lassen

Lassen Sie vom behandelnden Arzt oder von der Apotheke prüfen, ob wirklich alle verordneten Medikamente notwendig sind – manchmal sind Kombinationen oder Reduktionen möglich. Auch zu große Tabletten können möglicherweise durch kleinere Alternativen ersetzt werden.


Alternative Darreichungsformen erwägen

In manchen Fällen können Medikamente auch über andere Wege verabreicht werden, z. B. als Pflaster, Zäpfchen (rektal), Tropfen (nasal oder sublingual), Säfte oder Cremes (dermal). Fragen Sie sehr

gezielt nach solchen Möglichkeiten.



Wenn Tabletten eingenommen werden müssen:

 

1. Zerkleinern nur nach Rücksprache!

Nicht jede Tablette darf ohne Weiteres gemörsert werden. Manche haben spezielle Schutzschichten (z. B. magensaftresistente oder Retard-Tabletten), die beim Zerkleinern ihre Wirkung verändern oder Nebenwirkungen verursachen können. Lassen Sie sich ärztlich oder pharmazeutisch beraten, ob und wie eine Tablette zerkleinert werden darf.

Wird das Mörsern freigegeben, dann gilt:

  • Verwenden Sie saubere und trockene Hilfsmittel (z. B. einen Tablettenmörser).

  • Achten Sie darauf, dass keine Pulverreste im Mörser oder auf der Arbeitsfläche verbleiben – die gesamte Dosis muss verabreicht werden.

  • Rühren Sie das Pulver direkt nach dem Zerkleinern unter eine geeignete Speise oder Flüssigkeit.


2. Mischen mit geeigneten Speisen/Getränken

Es kann sinnvoll sein, Tabletten – ob als Ganzes oder in zerkleinerter Form – mit Speisen oder Flüssigkeiten zu mischen, um die Einnahme zu erleichtern. Damit die Medikamente sicher geschluckt werden können, sollten sie in eine Konsistenz eingebettet werden, die zur jeweiligen Symptomatik der Schluckstörung passt (z. B. pürierte Konsistenz). Besprechen Sie in jedem Fall mit Ihrer behandelnden Fachkraft, welche Konsistenz für Sie für die Einnahme von Medikamenten am geeignetsten ist. Grundsätzlich sollen die Konsistenzempfehlungen, welche die generelle Aufnahme von Speisen und Getränken betreffen, auch bei der Einnahme von Medikamenten konsequent beachtet werden. 


Da die Einnahmeform die Wirkung der Medikamente beeinflussen kann, sollten Sie darauf achten, eine möglichst konsistente, d.h. gleichbleibende Einnahmeform einzuhalten. Wenn das Mischen mit Speisen oder Getränken für Sie in Frage kommt, achten Sie also darauf, bei jeder Medikamenteneingabe die gleichen Speisen oder Getränke zu wählen, um einen möglichst konstanten Medikamentenspiegel zu gewährleisten und Wirkungsschwankungen zu vermeiden. Ebenso wichtig ist es, sicherzustellen, dass möglichst die gesamte Medikamentendosis eingenommen wird. Sie sollten also unbedingt in der Lage sein, das gesamte Trägermedium, in welchem die Medikamente untergemischt sind, zu sich zu nehmen.  


Achten Sie auch auf den Geschmack der gewählten Speisen oder Getränke für die Medikamenteneinnahme – dieser sollte möglichst angenehm sein, um die regelmäßige Einnahme zu erleichtern und zu garantieren. 

Grundsätzlich sollte das Ziel sein, Ihnen eine komplikationsfreie, regelmäßige Medikamenteneinnahme zu ermöglichen. 


Wichtig: Verwenden Sie nur Lebensmittel, die nicht mit den jeweiligen Wirkstoffen der Medikamente wechselwirken. Zum Beispiel sind Milchprodukte bei bestimmten Antibiotika kontraindiziert. Auch beispielsweise Grapefruitsaft oder Koffein können die Wirkung einiger Medikamente verändern. Gleichzeitig gibt es Lebensmittel, welche die Wirkung von Medikamenten potenzieren, was im Einzelfall zu einer verbesserten Wirksamkeit führen und evtl. sogar eine Dosisverringerung ermöglichen kann. Lassen Sie sich hierzu unbedingt ärztlich oder pharmazeutisch beraten.


3. Schluckgele als mögliche Alternative

Spezielle Schluckgele für die Medikamenteneinnahme können eine sichere, angenehme, klinisch geprüfte und zuverlässige Option sein. Sie sind in verschiedenen Konsistenzen sowie in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen erhältlich.

Sie umhüllen die Tablette oder das Pulver und helfen, dieses sicher vom Mund in den Magen zu transportieren – ohne dass sich Rückstände in der Mundhöhle sammeln oder die Tablette "kleben" bleibt.

Lassen Sie sich auch hierzu ärztlich oder pharmazeutisch beraten. 



Fazit


Hier sehen Sie die wichtigsten Punkte zur Medikamentengabe bei Dysphagie nochmal zusammengefasst: 


  • Sichere Schluckbarkeit

Die Darreichungsform (Art und Größe der Tablette, Konsistenz des Trägermediums (Getränk, Speise, Gel)) muss zur individuellen Symptomatik der Schluckstörung und den individuellen Voraussetzungen passen. 


  • Volle Wirkstoffaufnahme

Die gesamte Medikamentendosis muss aufgenommen werden. Pulverreste im Mörser, Becher oder auf dem Löffel können die Wirkung deutlich verringern.


  • Akzeptanz und Alltagstauglichkeit

Die Methode muss umsetzbar und angenehm sein – nur dann bleibt die regelmäßige Einnahme gewährleistet und nur so kann die erwünschte Wirkung der Medikamente garantiert werden. 


Wenn Sie oder Ihr Angehöriger / Ihre Angehörige von einer Dysphagie betroffen sind und regelmäßig Medikamente einnehmen, nehmen Sie unbedingt eine umfassende ärztliche/pharmazeutische Beratung in Anspruch.

Besprechen Sie gemeinsam den Medikamentenplan, mögliche Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken und mögliche alternative Verabreichungsformen. 

Wenn die orale Einnahme von Medikamenten erforderlich ist, besprechen Sie die Einnahmeform unbedingt mit Ihrer behandelnden logopädischen/therapeutischen Fachkraft und berücksichtigen die Empfehlungen hinsichtlich Konsistenz, Einnahmeform und anzuwendenden Schlucktechniken. 



 



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